Bosnien Ramsko Jezero Camping

Mit Händen und Füßen am Stausee Ramsko Jezero

Als wir aus den Bergen ins Tal hinunter fahren, trauen wir unseren Augen nicht. Vor uns breitet sich der Stausee Ramsko Jezero aus. Wir fühlen uns magisch angezogen. Eine kleine, scheinbar auf dem Wasser, schwebende Straße führt von der Landseite in einem sanften Bogen zur größten mittig gelegenen Insel. Wir sind neugierig. Die Gegend Prozor-Rama ist spärlich bewohnt. Das eine oder andere Haus frisch verputzt und gestrichen, andere wiederum sind deutlich in die Jahre gekommen und sind Zeugen einer bewegten Vergangenheit. Wir werden auf eine frisch gemähte Wiese direkt am Seeufer aufmerksam. Ein Camper mit Schweizer Kennzeichen steht bereits dort.

Kaum sind wir aus dem Auto gestiegen, ergießt sich ein Schwall bosnischer Worte über uns. Die groß gewachsene Frau freut sich sichtlich uns und Antonia zu sehen. Zur besseren Verständigung ruft sie ihre Tochter Thea herbei. Thea begrüßt uns in vorsichtigem Englisch und bittet uns ihr zu folgen. Zwei Zimmer mit Gemeinschaftsküche sind noch frei, das Apartment bereits an Koreaner vergeben. Selbstverständlich ginge Zelten auch. Genau das wollten wir hören.

Gut behütet

Ankica und Ivan umsorgen uns. Ivan muss abends noch schnell Apfelsaft einkaufen fahren, da Antonia den morgens gerne trinkt. Ihr Auto ist wie selbstverständlich unser Auto. Ob zum Einkaufen oder zum Nahe gelegenen Restaurant, wie dürfen es einfach nehmen. Ankica spült unser Geschirr und bringt uns Mittagessen. Ivan nimmt uns mit auf eine Bootstour über den Ramsko Jezero und überlässt Ingmar seine Angelrute. Manchmal wird es uns etwas zu viel. Immer unter Beobachtung zu stehen, immer umsorgt zu werden, sind wir nicht gewöhnt. Doch bei Ankica und Ivan gehört Familienanschluss einfach zum Campingplatz Service dazu.

Mit Händen und Füßen

Unseren ersten Abend verbringen wir in kleiner Runde. Neben uns campt noch ein Schweizer Paar und Eines aus dem Dresdner Umland. Bei Kerzenschein und lautem Frosch quaken tauschen wir unsere Erlebnisse. Anita gesellt sich zu unsere lustigen Runde dazu. Sie kann weder Deutsch, noch Englisch. Wir nur wenige Brocken Bosnisch. Und dennoch. Wir reden miteinander. Mit Händen und Füssen erzählt sie uns von ihrem Leben und ihrer Familie.

Vom Lehrer zum Vermieter

Beide sind Lehrer in der ortsansässigen Schule in Scit. Sie bringt den Grundschülern lesen und schreiben bei. Ivan unterrichtet die höheren Klassen in technischem Zeichnen und Architektur. Doch ihre Jobs existieren nicht mehr lange. Hatten sie im vergangenen Jahr noch 14 Schüler in der Klasse, bestehen ihre Klassen heute aus weniger als Vier. Bosnien hat unter den Balkanländern die niedrigste Geburtenrate (1,36) und mit die höchste Jugendarbeitslosigkeit (60% im Alter von 20-35 Jahre)*. Das Land verliert stetig an Einwohnern und für die beiden geschätzten Mitfünfziger bedeutet dies über kurz oder lang den Verlust ihrer Arbeitsplätze.

Aus diesem Grund haben sie das Experiment Vermietung gestartet. Das Haus wurde innen und außen renoviert, eine neue Fassade angebracht, die Zimmer umgestaltet, ein hochwertiges Gemeinschaftsbad im zweiten Stock für Camper und Appartementgäste eingebaut. Und es funktioniert, sie sind überrascht von der positiven Resonanz. Denn die Umgebung um den Stausee Ramsko Jezero ist noch überhaupt nicht touristisch im Fokus, obwohl die Geschichte des Sees ebenso erzählens- und erkundenswert ist, wie der Besuch bei Ankica und Ivan.

* Quelle: https://www.indexmundi.com

Tipp:
Ankica und Ivan auf Booking.com
Essen in der Konoba Gaj auf Facebook

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